Zen

ist eine Abkürzung des Wortes Zenna, der jap. Lesart des chin. Ch'an-na (abgek. Cha'an), das wiederum die Übertragung des Sanskrit-Wortes Dhyana ist und die Sammlung des Herz-Geistes bezeichnet, in der alle dualistischen Unterscheidungen wie Ich/Du, Subjekt/Objekt, wahr/falsch aufgehoben sind.
Zen ist ursprünglich Zen-Buddhismus, eine Schule des Mahayana-Buddhismus. Gemäß einer Legende hat Bodhidharma im 5./6. Jh. diese Form der Meditation von Südindien nach China gebracht und dort gelehrt. Ein alter Vers beschreibt die Zen-Methode so

Eine besondere Übertragung außerhalb der Schriften.
Kein Anhängen an Worten und Begriffen.
Unmittelbar auf den Herz-Geist weisend.
Schauen in die eigene Wesensnatur und Buddhaschaft erlangen.

Zen kann vielerlei bedeuten: Zen-Buddhismus, Zen-Meditation oder Methode, Zen-Philosophie, Zen-Erfahrung oder Zen-Verwirklichung, eine bestimmte Lebensweise etc. Zen-Meditation und Zen-Verwirklichung müssen von Zen-Buddhismus unterschieden werden. Letzteres ist eine religiöse Richtung des Buddhismus, wohingegen das Erstere jenseits irgendeiner speziellen Religion ist. Vielmehr ist Zen die von jedem einzelnen nur für sich selbst erfahrbare Wurzel - frei von jeglichen Namen, Bezeichnungen und Begriffen - aus der als Ausdrucksform dieser Erfahrung alle Religionen erst entspringen. Zen als Praxis und Verwirklichung überschreitet jede Philosophie, Ideologie und -ismen (Monismus, Pantheismus, Nihilismus etc.).
 
Die meditative Praxis des Zen - Zazen - ist keine Meditation im herkömmlichen Sinn. Zazen soll den Geist aus der Knechtschaft jeglicher Gedankenformen, Visionen, Dinge oder Vorstellungen befreien - wie erhaben und heilig diese auch immer sein mögen. In seiner reinsten Form ist Zazen das Verweilen in einem Zustand gedankenfreier, hellwacher Aufmerksamkeit, die jedoch auf kein Objekt gerichtet ist und an keinem Inhalt haftet (Shikantaza). Mit Beharrlichkeit und Hingabe über einen längeren Zeitraum geübt, versetzt Zazen den Geist des "Sitzenden" in einen Zustand vollkommener inhaltloser Wachheit, aus dem heraus er in einem plötzlichen Durchbruch zum Gewahrwerden seines eigenen Wahren-Wesens (das Ungeborene, die Buddha-Natur) gelangen kann.
 

Der große Weg hat kein Tor,
tausende von Pfade führen hindurch;
Wenn du durch dieses torlose Tor geschritten bist,
wandlest du frei zwischen Himmel und Erde.
   ( Zen Meister Wu-Men Hui-K'ai (1183-1260) )

shunyata